IKARUS 2016

Das Höhlenkind | Foto: Fliegendes Theater 
Das Höhlenkind | Foto: Fliegendes Theater
Team von Fliegenden Theater | Foto: Fliegendes Theater 
Team von Fliegenden Theater | Foto: Fliegendes Theater
 

Der IKARUS 2016 geht an "Das Höhlenkind" vom Fliegenden Theater

Das Puppentheaterstück "Das Höhlenkind" des Fliegenden Theaters in Kreuzberg erhielt am 6. Oktober 2016 den mit 5.000 Euro dotierten Berliner Kinder- und Jugendtheaterpreis IKARUS, der vom JugendKulturService vergeben wird. Im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung in der Akademie der Künste hatten alle sieben nominierten Produktionen noch einmal die Gelegenheit, sich dem Publikum zu präsentieren und damit die Vielfalt und den hohen Qualitätsanspruch des hiesigen Kinder- und Jugendtheaters zu untermauern. Das Fliegende Theater erhielt zum zweiten Mal die begehrte Berliner Trophäe, nachdem es bereits bei der Premiere des IKARUS im Jahre 2002 erfolgreich war.

In der Laudatio betonte Armin Stapel, Mitglied der Jury: Rudolf Schmid und Edelgard Hansen schaffen mit einfachen Mitteln ein ganzes Universum. Ein paar Kisten und Tücher, Hölzer und Pflanzen bilden die Grundlage, Licht und Projektion kommen hinzu. Das den Zuschauer in den Bann ziehende aber ist ein Gewebe aus Klängen, Tönen und Sprache, das Rudolf Schmid mit wenigen Instrumenten erzeugt. Wind und Feuer werden lebendig. Bärenbrummen, Wolfsgeheul, Vogelkreischen und Gesänge erzeugen den Sound einer vergangenen urzeitlichen Welt (...) Das ist mehr als nur gut gemacht. Faszinierend wie auf einer kleinen Bühne mit allereinfachsten Mitteln ein ganzes Universum lebendig wird. Das kann gleichzeitig nur gelingen, wenn in hoher Konzentration und Verdichtung alle Handgriffe exakt sitzen. Kurzum: Das Fliegende Theater erzählt mit staunenmachender Präzision eine Geschichte voller Poesie, lehrreich und berührend zugleich.

Edelgard Hansen, Puppen- und Figurenspielerin des Fliegenden Theaters sagte direkt nach der Preisverleihung: 2002 hat Das Fliegende Theater den ersten IKARUS für die Produktion ´Die Mondtücher´ bekommen. Ich bin sehr stolz, das wir den Preis nach so vielen Jahren und vielen Nominierungen jetzt ein zweites Mal erhalten.

Rudolf Schmid | Foto: Fliegendes Theater 
Rudolf Schmid | Foto: Fliegendes Theater

Rudolf Schmid, Leiter Fliegendes Theater, zum IKARUS 2016: Wir freuen uns sehr über den Ikarus-Preis und möchte uns herzlich bedanken beim JugendKulturService und bei allen seinen ehrenamtlichen Mitarbeitern, die sich so viele Stücke ansehen in dem Bemühen die Qualität des Kinder- und Jugendtheaters in dieser Stadt zu fördern und sichtbar zu machen. Kultur für Kinder wird oft wenig wahrgenommen, und in diesem Sinne finden wir den Ikarus-Preis besonders wichtig.

Wir danken auch der Kulturverwaltung der Stadt Berlin, die es uns durch langjährige Förderung ermöglicht hat Qualität zu entwickeln. Und wir grüßen alle Kollegen, die dieses Jahr auch nominiert wurden. Wir wissen, sie hätten den Preis ebenso verdient. Außerdem möchten wir uns bei den Sponsoren für das Preisgeld bedanken.

Der Ikarus-Preis bedeutet für uns eine Anerkennung unserer Arbeit, unserem Bemühen kindgerechtes, altersgerechtes, dabei auch immer poetisches und spannendes Kindertheater zu machen.

Der IKARUS wird seit 2002 vom JugendKulturService als Auszeichnung für herausragende Berliner Theaterinszenierungen für Kinder und Jugendliche vergeben und ist seit 2013 mit 5.000 € dotiert. Der IKARUS möchte auf außergewöhnliche Theaterstücke aufmerksam machen, die den Theaterbesuchern besonders empfohlen werden. Nominierungen und Preisträger des IKARUS werden von einer unabhängigen Jury entschieden.

Die Joachim und Anita Stapel Stiftung stiftet die Hälfte des IKARUS-Preisgeldes, die zweite Hälfte wird bei Bürgerinnen und Bürgern in einer Spendenaktion eingeworben. Sie alle setzen damit ein deutliches Zeichen: Applaus und Anerkennung für diese künstlerische Arbeit!


IKARUS 2016: Nominierungen und Preisträger

Die Ministerpräsidentin | ATZE Musiktheater | ab 9 Jahre | Thomas Sutter nach dem Roman „Die Ministerpräsidentin“ von Tore Tungodden

Foto: Joerg Metzner 
Foto: Joerg Metzner

Der Vater der zwölfjährigen Hannah soll die teure Wahlkampagne für die neue Partei „Stimme der Zukunft“ organisieren. Der Parteigründer möchte im Hintergrund bleiben und stellt die Bedingung auf, dass der Kandidat ein Kind sein muss. Für den Vater kommt nur seine Tochter in Frage. Richtig ernst nehmen kann Hannah das Angebot anfangs nicht und zweifelt, ob sie als Kind das alles kann. Als sie in einer Fernsehtalkshow mit den anderen Kandidaten offen heraus ihre Anliegen schildert, sind die Leute begeistert. Hannah wird immer bekannter und beliebter. Nach mehreren Verwicklungen wird Hannah tatsächlich zur Ministerpräsidentin gewählt. Sie muss eine Regierung bilden und bestimmt nur Ministerien, die den Bedürfnissen der Kinder gerecht werden. Und eines, das den streitlustigen Politikern besseres Benehmen beibringen soll. Als Hannah den geheimnisvollen Parteigründer Frederik Rekk endlich zu Gesicht bekommt, ist sie zutiefst enttäuscht. Hannah erkennt, dass er keinesfalls die Interessen der Kinder im Sinn hat und tritt von ihrem Amt zurück.

Das Singspiel bietet für Kinder eine Einführung in parlamentarische Demokratie, politische Parteien, Politiker im Wahlkampf und die Verquickung von Politik, Medien und Finanzwelt. Die Inszenierung besticht durch eine enorme Spielfreude, pointierte Musikarrangements und eine im Ganzen stimmige und in sich geschlossene Ensembleleistung.

Der Bär auf dem Försterball | hirche/krumbein productions | ab 6 Jahre | hirche/krumbein productions nach einer Geschichte von Peter Hacks

Foto: Kathrin Krumbein/hirche/krumbein productions 
Foto: Kathrin Krumbein/hirche/krumbein productions

Die Künstlerteams von hirche/krumbein productions sowie die Musikergruppe Trio Igra haben aus dem herrlich-skurrilen Kinderbuch von Peter Hacks eine „Oper für Kinder ab 6 Jahren“ gemacht. Drei Musiker, ein Sänger und ein Erzähler und Dirigent erzählen die verrückte Geschichte von jener Winternacht, als der Bär aus einem Übermut heraus entschied, auch mal zum Försterball zu gehen. Verkleidet als Förster begegnet er schon unterwegs einigen anderen Waidmännern, die ihm wegen seiner imposanten Größe sofort Ehrerbietung zollen. Somit steht dem Verwandlungsspiel nichts im Wege ... In der Försterhütte spitzt der große unbekannte Förster die anderen nach ein paar Glas Bier an, dass man doch zusammen jagen gehen könne. Worauf? Natürlich auf den Bären! Die angeheiterte Truppe zieht aufgeregt los und kann den Bären doch nicht finden. In die Hütte zurückgekehrt, reitet den Bären weiter der Schalk und er sät die Vermutung, dass der Bär ja auch unter ihnen sein könnte, verkleidet. Doch bevor die Männer das Rätsel richtig lösen können und sich auf den Bären stürzen, geht die Tür auf und eine überraschende Wendung macht dem überkandidelten Spiel ein Ende.

Die Inszenierung besticht durch die kontinuierliche Erzählung im Wechsel zwischen gesprochenen Szenen und gesungenen Liedern. So wird aus dem entzückenden, an Worten sparsamen Büchlein ein über eine Stunde währender bunter, munterer, unterhaltsamer Försterball und eine verrückte Verkleidungsgeschichte.

Das Höhlenkind | Fliegendes Theater | ab 6 Jahre

Foto: Fliegendes Theater 
Foto: Fliegendes Theater

Vor 30.000 Jahren erschüttert die Pyrenäen ein Erdbeben und die Höhle, in der sich die Familie des achtjährigen Ard befindet, stürzt ein. Nur der Junge überlebt. Alleine schlägt er sich durch die Wildnis, um wieder auf Menschen zu stoßen. Vergeblich versucht er einen Fisch zu fangen, um seinen Hunger zu stillen. Lautes Trompeten ertönt und eine Herde Mammuts zieht vorüber. Als er versucht in einer Höhle zu übernachten, muss Ard vor einem wütenden Bären fliehen. Ein Blitzschlag entfacht einen Brand und mit einem brennenden Zweig kann Ard ein Feuer vor seiner notdürftig errichteten Laubhütte entfachen. Nach überstandenen Gefahren begegnet er endlich wohlwollenden Menschen, die sich ihm friedvoll nähern, ihm zu essen geben und ihn aufnehmen.

Mit Tüchern, Kisten und Zweigen und einer Projektionsfläche im Hintergrund wird eine wandelbare Berglandschaft herbeigezaubert, in der sich der verängstigte achtjährige Ard den Gefahren der Wildnis stellen muss, um wieder auf Menschen zu treffen. Zwischen den Abenteuern halten die zwei Puppenspieler die Szenen an und beraten sich, wie es weitergehen könnte. Einfühlsam wird gezeigt, wie eine Geschichte entsteht und wie sie durch das Puppenspiel lebendig wird. Die rudimentäre Kunstsprache der Figuren hält den Zuschauer nicht auf Distanz, sondern im Gegenteil, sie bringt ihm die Figuren mit ihren Sorgen und Nöten sogar näher. Insgesamt ein außergewöhnlicher, lebendig gespielter Stoff aus der Urzeit, bei dem durchaus Parallelen zur heutigen Zeit gefunden werden können.

Die kleine Hexe | Theater an der Parkaue | ab 5 Jahre | von Otfrid Preußler in einer Fassung von Chiara Galesi

Foto: Christian Brachwitz 
Foto: Christian Brachwitz

Mit ihren einhundertsiebenundzwanzig Jahren ist die kleine Hexe noch zu jung, um mit den großen Hexen auf dem Blocksberg zu tanzen. Sie schleicht sich trotzdem zum Hexentanz und wird entdeckt. Zur Strafe muss die kleine Hexe innerhalb eines Jahres beweisen, dass sie eine gute Hexe ist. Von der Wetterhexe Muhme Rumpumpel beobachtet, zaubert sie ein Jahr lang lauter gute Sachen. Doch am Ende des Jahres erklärt der Hexenrat, dass nur eine Hexe, die Böses zaubert, eine gute Hexe ist. Zur Strafe soll sie das Holz für das Walpurgisnachtfeuer sammeln. Doch die kleine Hexe hext die Besen der anderen her, verbrennt sie und zum guten Schluss hext sie den anderen Hexen die Fähigkeit des Hexens weg. Als einzige Hexe kann sie jetzt noch hexen und tanzt fröhlich um das Feuer.

Die Inszenierung unter der Regie von Chiara Galesi entführt in eine unwirkliche Hexenwelt. Bei gespenstischem Licht beginnen die ungewöhnlichen Kostüme und geschminkten Gesichter zu leuchten. Die Lieder, die von den Stimmungen und Nöten der kleinen Hexe erzählen, fügen sich spielerisch in die Handlung ein. Der Rabe Abraxas ist ein treuer Freund der kleinen Hexe und macht die Musik zum Hexenspiel in einer halbrunden Bühne aus Hexenbesen. Der gruseligen Hexenwelt wird durch Witz, Humor und einer guten Schauspielerleistung der Schrecken genommen. Das starke Spiel der kleinen Hexe lässt sie bei den Kindern zur Heldin werden. Es ist eine außergewöhnliche Interpretation und Inszenierung der Geschichte von der kleinen Hexe gelungen.

Kleines Stück Himmel | Theater o.N. / Deutsche Oper Berlin | ab 2 Jahre

Foto: Eike Walkenhorst 
Foto: Eike Walkenhorst

Em und Eff, eine Schauspielerin und ein Schauspieler, entdecken vor einer Wolkenhimmelwand eine goldene Harfe. An ihren Saiten können goldene Kugeln verschoben und fixiert werden. Dann entdeckt Em mit Wasser gefüllte Trinkgläser. Sie stellt sie in eine Reihe und erzeugt damit Geräusche und Töne. Auch Eff kann auf einer großen Bassklarinette Geräusche machen und Töne spielen. Durch die Wolken des Himmels kommt der Vogel Pe zu ihnen. Er hat lustige Federn auf dem Kopf und kann singen. Doch beim Spiel mit den Gläsern zerbricht ihm ein Glas. Die beiden anderen sind verärgert. Verstört verschwindet der Vogel wieder in den Wolken. Doch Em holt ihn zurück. Als Freunde finden sie zusammen heraus, wie man das Wasser bunt färben kann.

In einem einfachen und wohldurchdachten Bühnenbild spielt sich ein Musiktheater für die ganz Kleinen ab. Einfache Bewegungsabläufe fordern die Aufmerksamkeit des jungen Publikums. Die behutsame Musik der Komponistin Nuria Núñez Hierro entwickelt sich vom Geräusch zu einfachen, aber anspruchsvollen Tonfolgen. In dem Musiktheater für die Kleinen fand die Regisseurin Ania Michaelis eine szenische und musikalische Sprache, die ohne Vorwissen und Theatererfahrung verstanden werden kann. Entstanden ist eine herausragende Inszenierung für die ganz Kleinen, ein Erleben das sich zwischen Oper, Musiktheater, Schauspiel, Performance und Konzert angesiedelt hat.

Tag Hicks oder fliegen für vier | GRIPS Theater | ab 10 Jahre | Kirsten Fuchs

Foto: David Baltzer 
Foto: David Baltzer

Als morgens sein Vater aus dem Schlafzimmer kommt, verwirrt es Hicks völlig. Denn seine Eltern leben seit langem getrennt. Hicks hat sich damit arrangiert. Sollten Vater und Mutter wieder zusammen sein, würde das alles durcheinander bringen. Sein bester Freund Janis teilt die Besorgnis nicht. Er möchte nur ein guter Radfahrer werden, denn Radfahren ist das Hobby der beiden Freunde. In der Schule eröffnet die Schulfreundin Rike, die vom Fliegen träumt, ihrem Klassenkameraden Hicks, dass sie mal auf seinen Dachboden muss. Und zwar gleich heute. Aber das geht nicht, denn heute soll Valerie, die altmodische Klamotten anhat und nach Ziege riecht, weil ihre Eltern auf „Bio“ stehen, Hicks Nachhilfe geben! Wie soll Hicks das alles unter einen Hut bringen? Als Hicks’ Mutter ihn auch noch zum Gespräch bittet, ist für ihn das Chaos komplett. Schließlich luchst er seiner Mutter den Schlüssel zum Dachboden ab und alle vier Freunde steigen hoch ins Dachgestühl, weil Rike den Schwindel der Höhe erleben möchte. Und plötzlich, in der beängstigenden unsicheren Situation, fangen sie an miteinander zu reden, teilen Freude und Sorgen miteinander und kommen sich näher.

Der dichte und spannende, oft humorige Text, der nahe bei den Figuren ist, nimmt die Stimmungen, Eifersüchteleien, Ablehnungen und Annäherungen der Kinder ernst. Die Zuschauer sitzen im Geviert um den Hauptspielort und erfahren dadurch eine starke Identifikation mit der Handlung und den Figuren. Eine gelungene Verflechtung von Musik und Spiel zeichnet die abwechslungsreiche und hervorragende Inszenierung aus.

Sommer Nacht Traum | THEATER STRAHL | ab 13 Jahre | Michael Meyer nach William Shakespeare

Foto: Joerg Metzner 
Foto: Joerg Metzner

Die Wirren einer zauberhaften Nacht, die William Shakespeare in dem Stück „Sommernachtstraum“ in einem verwunschenen Wald spielen lässt, verlegt der Regisseur Michael Meyer in das Nachtleben einer Großstadt. Liebesrausch, Gefühlschaos, zauberhafte Verwirrung, traumhafter Wahnsinn erleben Jugendliche in einer Sommernacht im Sound einer City und der Musik einer Disco. Hermia liebt Lysander, Helena liebt Demetrius. Doch ist das wirklich so? Der DJ wird zum Puck, zum Schicksalslenker der Nacht. Er dirigiert die Zauberer, Elfen und Geister.

Textgetreu in alter Sprache wird der shakespearsche „Sommernachtstraum” in die Erlebniswelt der Jugendlichen von heute übertragen und konzentriert sich dabei auf die jugendlichen Protagonisten des Klassikers. Mit seinem Rhythmus und seiner Musik treibt der Beatboxer Mando eine intensive Show zwischen Wunsch, Wahn und Wirklichkeit voran. Für die Inszenierung hat die Choreografin Christine Stehno eine dynamische, expressive Körpersprache entwickelt, die Schauspiel mit Bewegungs- und modernem Tanztheater verbindet. Es ist eine stimmige, zeitgenössische und außergewöhnliche Interpretation des „Sommernachtstraums“ entstanden, die von vorneherein die Jugendlichen im Blick hat und sie bis zur Schlussszene nicht aus den Augen verliert.

Die Pressetexte sowie Bildmaterial zur den IKARUS-Festwochen und den Preisverleihungen finden Sie in unserem Pressebereich

Der JugendKulturService dankt der Joachim und Anita Stapel Stiftung für ihr Engagement beim IKARUS.

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